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Gesundheits-Lexikon

Kopfschmerzen und Übelkeit

Migräne-Betroffene klagen häufig über Übelkeit und Brechreiz während einer akuten Schmerzattacke. Immerhin haben vier von fünf Patienten damit zu kämpfen. Übelkeit während der Schmerzphase ist kennzeichnend für Migräne und ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu Spannungskopfschmerzen. Doch wie entsteht die Übelkeit überhaupt?

Übelkeit und Erbrechen bei Migräne
Übelkeit und Erbrechen bei Migräne

Übelkeit: kennzeichnend für Migräne, weniger für Spannungskopfschmerzen

Migräne ist eine neurologische Erkrankung mit einer erblichen Komponente. Aus Untersuchungen ist bekannt, dass das Migränegehirn sich durch eine Überempfindlichkeit der Nervenzellen auszeichnet. Bei einem Migräneanfall nehmen die Nervenaktivitäten im Sinne einer Hypersensibilität stark zu. Dabei wird auch das sogenannte autonome Nervensystem angeregt. Es lässt sich willentlich kaum beeinflussen und steuert unter anderem die Funktion der inneren Organe und der Verdauung.

Durch die gestörten Nervenaktivitäten während einer Migräneattacke geraten Magen und Darm aus dem Gleichgewicht, der Magen steht quasi still.

Bei etwa der Hälfte der Patienten wird die Übelkeit während des Migräneanfalls so stark, dass sie sich sogar übergeben müssen. Übelkeit ist neben der Licht- und Geräuschempfindlichkeit das charakteristische Begleitsymptom schlechthin bei Migräne, kann in Einzelfällen auch bei „normalen“ Kopfschmerzen auftreten. Spannungskopfschmerzen sind die häufigste Kopfschmerzart. Sie sind gekennzeichnet durch ein Schraubstockgefühl und eher dumpfe Schmerzen, nicht jedoch durch Übelkeit und Lichtempfindlichkeit. Allerdings gibt es viele Betroffene, die nicht nur unter Spanungskopfschmerzen, sondern gleichzeitig auch unter Migräne leiden.

Bei Übelkeit: Schmerzmittel können Anti-Migräne-Wirkung nicht entfalten

Bei Erbrechen können Arzneimittel nicht wirken. Daher gibt es neben Tabletten zur oralen Einnahme mehrere Anwendungsformen, die die Magen-Darm-Passage umgehen. Dazu gehören verschreibungspflichtige Triptane in Form von Nasensprays oder Injektionen. Sie sind für Migräne-Patienten mit starker Übelkeit und Erbrechen vorgesehen.

Arzneiflasche mit unterschiedlichen Medikamenten
Migräne kann mit verschiedenen Medikamenten behandelt werden

Arzneimittel gegen Übelkeit und Brechreiz

Da Schmerzmittel (Analgetika) oder Triptane die Übelkeit nicht ausreichend bekämpfen können, sind viele Migränebetroffene auf die zusätzliche Einnahme von Mitteln gegen Übelkeit und Erbrechen angewiesen. Diese sogenannten Antiemetika verbessern die Magentätigkeit und die Resorption der Medikamente. Denn durch die gestörte Beweglichkeit verbleiben Schmerzmittel und Triptane im Magen und werden nicht oder nur mit Verzögerung in den Darm weitertransportiert und so auch nicht in das Blut aufgenommen. Antiemetika sollen die Magenbeweglichkeit normalisieren und so die Aufnahme (Resorption) der Analgetika bzw. Triptane unterstützten.

Rezeptpflichtige Arzneimittel gegen Übelkeit

Zu den rezeptpflichtigen Arzneimitteln gegen Übelkeit zählt Metoclopramid (MCP-Tropfen) in Formen von Tropfen oder Zäpfchen (Nicht für Kinder unter 14 Jahren, NW: unwillkürliche Bewegungsstörungen, Dyskinesien, Vorsicht bei Nierenerkrankungen, Einnahme nur nach ärztlichem Rat). Mögliche Nebenwirkungen sind Schwindelgefühl oder Müdigkeit. Aktuell sind nur noch MCP-Präparate mit niedriger Konzentration zugelassen. Höher konzentrierte Metoclopramid-Tropfen wurden 2014 wegen der Neubewertung der schon bekannten Nebenwirkungen, wie Störung der Muskulatur im Mund-Gesichtsbereich, aus dem Handel genommen. Ein weiteres Arzneimittel ist Domperidon, ebenfalls verschreibungspflichtig (nicht einsetzen bei Kindern unter 10 Jahren, mögliche Nebenwirkungen sind ebenfalls unwillkürliche Bewegungen).

Zäpfchen gegen Übelkeit bei Migräne
Rezeptpflichtige Arzneimittel gegen Übelkeit bei Migräne
Packungsabbildung Payagastron bei Magenbeschwerden 30 ml Mischung zum Einnehmen Von Weber & Weber - Biologische Arzneimittel PZN 06910619
Payagastron - Rezeptfreies Arzneimittel gegen Übelkeit

Rezeptfreie Medikamente gegen Übelkeit

Ohne Rezept erhältlich ist der Wirkstoff Dimenhydrinat, der auch bei See- und Reiseübelkeit eingesetzt wird. Das Mittel dämpft zwar die Übelkeit, hat aber keinen Einfluss auf die gestörte Magentätigkeit. Mögliche Nebenwirkungen sind Benommenheit, Schläfrigkeit und Mundtrockenheit. Eine Alternative zu synthetischen Stoffen sind freiverkäufliche Arzneimittel auf pflanzlicher Basis wie Payagastron, die ohne bekannte Nebenwirkungen helfen. Heilpflanzen wie etwa Wermut oder Brechnuss (Nux vomica) wirken bei Übelkeit im Zusammenhang mit einer Migräneattacke sowohl entspannend als auch anregend auf die Verdauungsfunktion. Manchen hilft auch Ingwer (Zingiber officinale) gegen Übelkeit.

Tipp Reihenfolge beachten: Erst Mittel gegen Übelkeit, dann Schmerzmittel

Antiemetika sollten etwa 15 Minuten vor den Schmerzmitteln und Triptanen eingenommen werden. Sie bereiten Magen und Darm auf die Aufnahme des schmerzstillenden Wirkstoffs vor und beschleunigen so den Wirkeintritt.